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Inhalt:

“Man muss mit der Natur arbeiten, nicht gegen sie“

Was uns die Schöpfung lehrt - ein Gespräch mit Familie Fletschberger über Schöpfung, Geduld und Dankbarkeit am Hof.

36 ganze Ausgabe als ePaper lesen
Helene Czifra
Redakteurin

Seit über 20 Jahren bewirtschaften Christian und Manuela Fletschberger gemeinsam mit ihren vier Söhnen ihren Hof in Adnet, nachdem dieser eine ganze Generation lang stillgelegt war. Stiere, Lege- und Masthennen, dazu Obst und Gemüse der Saison: Fast alles, was auf dem Fletschberger- Tisch landet, stammt vom eigenen Hof, vom Rindfleisch über die Kartoffeln bis zu den selbstgemachten Nudeln. „Sogar das Licht über unseren Tellern ist von uns“, scherzt Christian mit Blick auf die neue Photovoltaikanlage.

 

Gelebtes Schöpfungsbewusstsein

 

Schöpfung ist in der Familie kein abstrakter Begriff, sondern gelebte Realität. „Wenn ich da in der Früh barfuß in den Garten gehe, das taunasse Gras spüre und eine Schüssel reifer Beeren fürs Frühstück hole, dann entlockt mir das immer wieder einmal ein kleines Dankeslied“, erzählt Manuela und strahlt. Besondere Bedeutung habe für sie der Psalm 104: „Du lässt Gras wachsen für das Vieh, auch Pflanzen für den Menschen, die er anbaut, damit er Brot gewinnt von der Erde und Wein, der das Herz des Menschen erfreut, damit sein Gesicht von Öl erglänzt und Brot das Menschenherz stärkt. Die Bäume des Herrn trinken sich satt, die Zedern des Libanon, die er gepflanzt hat. In ihnen bauen die Vögel ihr Nest, auf den Zypressen nistet der Storch …“ Der Bibeltext wird für sie täglich erfahrbar. „Jeden Tag erleben wir auf unserem Hof genau das: Gott lässt das Gras, die Pflanzen für uns wachsen, auch wenn das in diesem Jahr etwas spärlicher geschieht“, erzählt die Bäuerin. „Wer von Schöpfung spricht, weiß auch um den Schöpfer. Wir Menschen sind Teil dieser wunderbaren Schöpfung, die bis ins kleinste Detail einfach genial aufeinander abgestimmt ist. Durch unsere tägliche Arbeit als Bauern arbeiten wir in und mit der Natur, sprich, wir verwalten Gottes Schöpfung nach seinem Auftrag, den er dem Menschen in Genesis 1 gegeben hat.“ Die Natur erzähle auf wunderbare Weise von Gottes Gegenwart. „Je älter ich werde und je mehr ich mich von der Natur und ihren Raffinessen begeistern lasse, um so lebendiger wird auch mein Glaube. Und genau dieses ,Gott-in-allem-entdecken- Können‘ versuchen wir auch unseren Kindern weiterzugeben.“

 

Loslassen lernen


Landwirtschaft mit der Natur zu betreiben heißt für Familie Fletschberger vor allem eines: loslassen können. „Man muss mit der Natur arbeiten und nicht gegen sie“, ist Christian überzeugt. Zwanzig Jahre Erfahrung haben ihn gelehrt, dass sich nichts erzwingen lässt. „Man muss Geduld haben und Jahr um Jahr das mit Dankbarkeit annehmen, was einem an Ertrag geschenkt wird. Das bedeutet, dass die Ernte in einem Jahr sehr üppig ist und im nächsten Jahr sehr mager sein kann.“ Im Hofladen gibt es deshalb auch einmal keine Eier.

Das Gespräch mit ihren Kunden gehört dazu, um dafür Verständnis zu wecken. Dass viele Menschen heute verlernt haben, mit der Natur zu leben, kann er ihnen kaum verübeln.

 

„Jetzt ist das tägliche Frühstücksei wieder drin“ – am Hof der Familie Fletschberger schwankt das Angebot mit den Jahreszeiten.

 

„Wer im Geschäft gewohnt ist, dass jedes Lebensmittel jederzeit und möglichst günstig verfügbar ist, versteht schwer, warum es manchmal etwas einfach nicht gibt“, ist Manuela überzeugt. Besonders freue sie sich jedoch über die Reaktion mancher Kundinnen: „Ach, das macht nichts, wenn es jetzt keine Eier gibt. Dann essen wir halt weniger und freuen uns umso mehr, wenn wieder welche da sind.“ Was aber tun, wenn die Ernte gefährdet ist? „Zuerst muss ich sagen, dass wir vom Einkommen unserer Landwirtschaft nicht abhängig sind, deswegen trifft uns eine Missernte nicht so hart wie manch andere Landwirte“, erklärt Christian. „Wir versuchen aber dennoch in solchen Situationen, unsere Lehren daraus zu ziehen und im nächsten Jahr Dinge zu verändern, sprich, das Unvorhergesehene wieder mehr mitzukalkulieren, sodass eine schlechte Ernte leichter verkraftet werden kann.“

Wir arbeiten mit der Natur und passen uns den Gegebenheiten an. Diese Haltung gibt uns Frieden.

Die Schöpfung bewahren

 

Bewahrung der Schöpfung heißt für die beiden vor allem: mit Hausverstand arbeiten, beobachten, hinhören, naturbelassenes Futter für die Tiere verwenden und für Tierwohl sorgen. Und: den Sonntag arbeitsfrei halten, so gut es eben geht – „weil auch der Schöpfer am siebten Tag ruhte“, betont Christian. Manuela ergänzt, dass gerade die Landwirtschaft, die so nah an der Schöpfung dran sei, sich zu oft an der Industrie orientiert habe, an Maschinen, die Tag und Nacht produzieren. Eine Henne aber sei keine Maschine. Wenn es in der Sommerhitze weniger Eier gibt und dafür jetzt, wenn es kühler wird, wieder mehr, dann freut sie das jedes Mal aufs Neue: „Jetzt ist das tägliche Frühstücksei wieder drin!“ 

 

Dankbarkeit als Grundhaltung


Wichtig sei vor allem die Dankbarkeit: Dafür, auf einem so schönen Fleckchen Erde ein naturnahes Leben führen zu dürfen, dafür, dass die Kinder durch ihr bäuerliches Aufwachsen und ihre Mitarbeit am Hof fest auf dem Boden stehen und gelernt haben anzupacken – „viele Hände, schnelles Ende“, wie Manuela mit einem Augenzwinkern sagt. Dankbar sind die beiden auch für die Unterstützung ihrer Eltern, ohne die vieles nicht möglich wäre, und für das, was Großeltern und Vorfahren über Generationen aufgebaut und erhalten haben. „Das ist neben Gottes Gnade eine der wichtigsten Grundlagen für unsere Arbeit“, sagt Christian. Auf dem Hof der Fletschbergers ist Schöpfung so kein abstrakter Begriff, sondern etwas, das man schmecken, riechen und auch geduldig aushalten kann.

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Ausgabe 38 | 2026


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